Samstag, 20. Februar 2016

Selbstschutz

Als ich wusste, was ich nun habe und wie es weitergehen würde, informierte ich meine Arbeitskollegen und ein paar wenige Bekannte und Freunde. Viele von ihnen waren sehr bestürzt und wünschten mir viel Kraft. Irgendwie schien ich viel mehr zuversichtlicher und überzeugter an die Sache ran zu gehen als die meisten Menschen um mich herum. Ich wollte nicht ständig getröstet und bedauert werden. Das habe ich versucht systematisch ab zu blocken, auch wenn gerade die Familie oder mein Freund mich doch öfter mal in den Arm nehmen wollten. Alles andere hätte mich runter gezogen und mir all die Kraft die ich zum kämpfen brauchte geraubt. Auch wenn es mir oft Leid tat, denn den anderen ging es in der Situation ja auch nicht gut – aber hier musste ich dennoch egoistisch sein. Einmal in dem Sumpf und man kommt nur schwer wieder heraus. Das heißt nicht, dass es mir nicht auch oft emotional schlecht ging. Aber sich selbst zu bemitleiden macht es nicht besser.

Und dann kristallisierte sich noch ein anderes Phänomen heraus: ich nahm nicht wirklich wahr, dass ich tatsächlich Krebs haben sollte. Alle sprachen doch immer von einem Lymphom. Das klingt doch einfach nur wie ein geschwollener Lymphknoten... Meine Mama sagte dann in irgendeinem Zusammenhang mal „du hast nun mal Krebs“. Das Ausgesprochen klang für mich total komisch. Es vergingen wirklich einige Wochen, bis ich mich daran gewöhnen konnte. Natürlich hatte ich mir nichts schön gemalt, aber ein Lymphom klang für mich irgendwo dann doch weniger schlimm.

Mir wurde wirklich oft gesagt wie stark ich denn sei, wenn ich gesagt habe, dass ich da nun mal durch muss, ich keine andere Wahl habe und das ich es schon schaffen werde. Das stimmt doch aber auch, entweder kämpfen oder mein Leben verlieren, ich hatte nun mal leider keinen Plan B. Und obwohl ich sonst ein großer Gefühlsmensch bin – ich danke meinem Körper sehr, dass er in der Situation alles abgeschaltet und einfach nur „funktioniert“ hat...

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