Sonntag, 28. Februar 2016

Rohverstopfung nach drittem Anlauf aufgelöst

Da mir mein Freund tapfer, je einen Tag nach der Therapie die Depotspritze verabreichte, dachte ich, dass ich nun bestens gewappnet sei und ich so gesundheitlich noch gut bis zum Therapieende durch schlittern könnte. Es war ja schließlich auch fast geschafft. Ich sah bereits das schillernde Band zum Durchrennen des Ziels. Und dann musste ich doch noch einen Umweg gehen, statt gerade durchlaufen zu können...

Natürlich, wie immer kurz vor dem Wochenende, machte sich der nächste Murks bereit. In meinem rechten Arm machten sich starke Schmerzen bemerkbar – eben in diesem Arm, wo ich bei und nach der letzten Chemotherapiegabe schon Schmerzen bekam. Ich dachte, dass die Vene vielleicht noch immer sehr gereizt sei. Die Schmerzen wurden immer stärker. Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte. Kein Schmerzmittel half.

Am Freitag machte ich mich also auf in die onkologische Ambulanz des Krankenhauses. Der Arzt schaute nur kurz auf den Arm und drückte ein paar mal drauf. Da nichts geschwollen oder gerötet war, meinte er, dass es wohl nur gereizt sei, ich solle doch noch ein paar Tage abwarten. Wenn es nicht besser wäre, sollte ich wiederkommen.

Zuhause wusste ich vor Schmerzen nicht wohin mit mir. Nachts konnte ich auch kaum schlafen. Ich quälte mich noch durch den Samstag, bis ich abends nicht mehr konnte. Also ging es relativ spät in die Notaufnahme. Dort musste ich sehr lange warten. Noch angeschlagen von der Therapie und auch vor Schmerzen schien es sich unendlich hin zu ziehen. Nach einer Blutabnahme sollte ich zum diensthabenden Arzt. Dieser schaute ebenso nur kurz auf den Arm und befand ihn für in Ordnung. Er gab mir ein Opiat und ich sollte noch mal Platz nehmen und schauen, ob es die Schmerzen weg nimmt. Nichts passierte. Dann bekam ich noch eine Tablette von dem Opiat. Wieder nichts... Er stellte mich noch kurz einem Neurologen vor, der auch nichts feststellen konnte. Auf meine Nachfrage nach einem Ultraschall passierte auch wieder nichts.

Nachts um halb eins rief er mich erneut rein. Er wüsste nicht mehr weiter und er würde jetzt meinen Arztbericht ausdrucken. Wenn es nicht besser wird, soll ich Montag noch mal in die Ambulanz gehen, er kann jetzt auch nichts weiter machen. Ich sagte ihm, dass ich das mehr als unbefriedigend finde. Ich habe immer noch die höllischen Schmerzen und was es ist, weiß ich auch nicht. Dann schleuderte er mir folgenden Satz vor die Füße: „Sehen Sie es mal so – Sie sterben ja nicht.“ Unter „normalen Umständen“ wäre es schon ein Unding gewesen, jemandem der Schmerzen hat und stundenlang in der Notaufnahme sitzt, das entgegen zu hauen. Einem Krebspatienten gegenüber so eine Aussage zu machen – da fehlen mir die Worte. Anhand meines Gesichtsausdruckes und verächtlichen Schnaubens, schob er rasch hinterher: „Das einzige was ich aktuell machen kann, ist die Schmerzen zu lindern.“ „Diese sind aber nicht annähernd besser geworden.“ „Da kann ich dann auch momentan nichts machen. Da müssen Sie Montag in die Ambulanz gehen und es da abklären lassen.“ Ich war einfach nur wütend und aufgelöst. Auf der einen Seite waren da diese unerträglichen Schmerzen und dann noch dieser desinteressierte und unfähige Arzt - nach meinem stundenlangen Warten. Ich dachte immer, die Notaufnahme sei dafür da, Menschen in Not zu helfen... Auf dem Weg nach Hause wurde mir durch die Opiate auch noch sehr übel. Ich fiel einfach nur noch völlig erschöpft gegen zwei Uhr morgens ins Bett.

Nachdem ich am Sonntag vor Schmerz fast nur gelegen hatte, fand ich mich nun am Montag in der onkologischen Ambulanz ein. Wieder war ich bei meinem Arzt und er schaute nochmals auf den Arm. Er meinte, dass es eigentlich gut aussieht und fragte mich, ob er denn dicker sei als der andere. Sollte das nicht seine Aufgabe sein, dies zu sehen? Nach nochmaligem Wunsch nach einem Ultraschall, gab er mir einen Überweisungsschein und ich ging in die Abteilung der Angiologie. Mit etwas Glück könnte ich heute noch dran kommen. Nach einiger Wartezeit rief mich der Arzt auf. Dieser war sehr nett. Er schaute nur kurz per Ultraschall drauf und siehe da: eine Teilvenenthrombose. Vor „Erleichterung“ hätte ich heulen können. Man zweifelt doch selber schon an sich, wenn einem keiner glaubt oder einfach so wieder weg schickt. Ich bekam einen Verband mit dick aufgetragenem Schmerzgel. Dies sollte ich drei Mal täglich anwenden und den Arm kühlen. Als ich sagte, dass ich noch eine letzte Chemotherapie vor mir habe, schaute er sich meine anderen Venen an. Er bestätigte mir, dass meine zwei großen Venen nicht mehr brauchbar wären. Er schaute, welche Vene man noch nehmen könnte. Da blieb leider nur noch eine übrig, denn den rechten Arm sollte ich nicht nochmal verwenden. Diese war aber ebenso sehr dünn, sodass ich Gefahr lief, dass so etwas noch einmal passieren könnte.

Ich kühlte fleißig und rieb den Arm mit der Schmerzsalbe ein. Bereits nach zwei Tagen merkte ich schon eine Verbesserung des Schmerzes. Bis zur nächsten Therapie war sogar schon fast wieder alles in Ordnung.

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