Sonntag, 21. Februar 2016

Mögen die Spiele beginnen





Der Startschuss fiel pünktlich zum 01.08.2015. Nachdem es zum Frühstück einen ordentlichen Mix diverser Tabletten gab, wartete ich auf die Ärztin. Die allererste Chemotherapie dürfte, wieso auch immer, nur von einem Arzt angestellt werden. Die später folgenden stellten dann die Pfleger an. Nachdem die Ärztin mit mir meine Daten abgeglichen hatte, ging es los. Es war ein unbeschreiblich komisches Gefühl. Ich war sehr nervös, weil ich wusste, dass sich alles nun verändern würde – unaufhaltsam. Auf der anderen Seite fühlte ich mich befreit. Auch wenn es wirklich komisch klingt. Aber ich hatte nun endlich eine wirklich richtige Antwort darauf, warum es mir schon so lange so schlecht ging und ich hatte das Gefühl, dass endlich etwas dagegen unternommen wird und es mir dann irgendwann endlich wieder besser gehen würde. Nun lag ich da und wusste nichts so recht mit mir anzufangen. Als erstes gab es vorbeugend etwas gegen Übelkeit, gefolgt von Chemo-Medikamenten, mehrfach Blasenschutz und einen großen Beutel Flüssigkeit. Alles in allem waren die verschiedenen Tröpfe endlich nach acht Stunden durch. Ich war wirklich platt und müde. Am Abend begrüßte mich dann starke Übelkeit, Brechreiz, Magenschmerzen und ständiger, ewig lang anhaltender Schluckauf. Am nächsten Tag erklärte mir die Ärztin, dass ich mir gegen den Schluckauf auch etwas hätte geben lassen können. Die Info wäre im Vorfeld super gewesen. Denn Übelkeit und Schluckauf ist eine blöde Kombination. Der Schluckauf entsteht in der Regel nach der ersten Gabe der Therapie, weil sich der Tumor aufgrund der Mediation erst einmal aufbläht, bevor er dann langsam zu schrumpfen beginnt. Ab dem Zeitpunkt der ersten Therapie sollte ich zudem Mundspülungen machen. Je bis zu acht Mal am Tag zum desinfizieren sowie ein Antipilzmittel. Durch das ständige Unwohlsein direkt nach der Therapie war mir das allerdings nicht immer so möglich.



Nach meiner eher spärlichen Nacht sollte es nun weiter gehen. Vorher gab es noch etwas gegen meine fiesen Gliederschmerzen. Mir war immer noch sehr übel und meine Hände zitterten extrem. Nach meinem großen Tabletten-Mix ging es direkt weiter: etwas gegen die Übelkeit, Chemotherapie und Flüssigkeit. Zwischenzeitlich kam meine Schwester und mein Freund zu Besuch. Allerdings fielen mir immer wieder die Augen zu und ich konnte mich auf unser Gespräch nicht konzentrieren. Somit war es doch ein recht kurzer Besuch. Nachdem ich zwischenzeitlich auch noch etwas gegen meine anhaltende Übelkeit bekam, konnte ich wenigstens für einige Zeit etwas schlafen. Nachdem ich mein Zimmer das Wochenende über für mich allein hatte, kam meine Zimmergenossin, die liebe Izzie Stark, am späten Nachmittag von ihrer Beurlaubung wieder. Sie hatte ebenfalls die selbe Therapie vor sich, war fast in meinem Alter und wir tauschten uns noch etwas aus. Gern hätte ich mich noch weiter mit ihr unterhalten, aber ich war ganz schon fertig und konnte mich nicht richtig auf unser Gespräch konzentrieren. Am Abend plagte mich dann erneut dolle Übelkeit. Auch die Nacht war wieder relativ schlaflos.

Am dritten Tag gab es erneut die selben Medikationen des zweiten Tages. Der Arm, in dem mein Venenzugang war, war bis zu Hand hin angeschwollen. Die Ärztin meinte, solange es nicht schlimmer wird, ist das schon in Ordnung, auch wenn es etwas unangenehm war. Bis auf die Übelkeit, Magenschmerzen, das Zittern und die Schlappheit gab es sonst keine weiteren Vorkommnisse. Während der Chemotherapien hatte ich immer Fernsehen gehört, das Schauen war mir irgendwie viel zu viel. Da nun auch noch der Fernseher im Krankenhaus streikte, versuchte ich ein wenig vor mich hin zu dösen. Mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren war irgendwie nicht drin.

Am nächsten Tag dürfte ich erst mal wieder nach Hause. Vorher bekam ich noch eine Depotspritze, um die Leukozyten, die durch die Therapie sehr abfallen und mein Körper somit keine Abwehrkräfte besitzt, wieder zu aktivieren.

Nachdem ich mich Zuhause versucht hatte von den Nebenwirkungen und der Therapie etwas zu erholen, musste ich am achten Tag, der gleichzeitig der letzte des ersten Therapie-Zykluses war, ambulant wieder ins Krankenhaus kommen. Eigentlich hätte ich einen Mundschutz tragen müssen, weil mein Blutbild nicht so gut war und ich somit sehr anfällig für Infektionen war. Aber ich konnte mich damit einfach nicht anfreunden. Ich hatte eh schon immer das Gefühl, dass jeder der mich anschaute wüsste was mit mir los sei. Im Krankenhaus wurde wieder ein kleines Blutbild gemacht. Anschließend musste ich in den ambulanten Chemo-Raum. Nachdem mir ein Zugang gelegt wurde, bekam ich wieder etwas gegen die Übelkeit und anschließend zwei Bolus-Spritzen. Anschließend durfte ich nach Hause – der erste Zyklus war geschafft! Am Abend plagten mich wahnsinnige Gliederschmerzen und Schüttelfrost. Das hatte ich irgendwie nicht erwartet. Ich war allerdings froh, dass keine neue Übelkeit hinzu kam. Da kein normales Schmerzmittel half, musste ich eine meiner verschriebenen Morphin-Tabletten nehmen. Dagegen hatte ich mich doch sehr gesträubt. Aber diese half ganz gut und die Schmerzen verschwanden.

In den darauf folgenden Tagen hatte ich noch sehr mit Kreislaufproblemen zu tun. Das es draußen an die 40 Grad heiß war, machte das alles nicht gerade besser. Zu meinem Onkologen schaffte ich es nur mit Unterstützung. Hierher musste ich zweimal die Woche zum Blutbild kommen. Die Übelkeit war noch immer etwas vorhanden, wurde aber langsam etwas besser. Auch das Phänomen, gewisses Essen nicht mehr riechen oder schmecken zu können, hielt nur wenige Tage an. Nach einiger Zeit bekam ich dolle Knochenschmerzen – die Depotspritze begann zu wirken. Mein Körper produzierte neue weiße Blutkörperchen. Auch meine Mundschleimhaut machte langsam schlapp. Es brannte beim Essen und trinken und ich hatte kleinere offene Stellen im Mund. Ich machte fleißig meine Mundspülungen, aber all das half erst nach einer ganzen Weile. Gegen die fiesen Schlafstörungen, die mich zum Teil nur eine halbe Stunde pro Nacht schlafen ließen, bekam ich Schlaftabletten verschrieben. Diese halfen allerdings auch nur bedingt, aber besser als gar nicht.

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