Der
Startschuss fiel pünktlich zum 01.08.2015. Nachdem es zum Frühstück
einen ordentlichen Mix diverser Tabletten gab, wartete ich auf die
Ärztin. Die allererste Chemotherapie dürfte, wieso auch immer,
nur von einem Arzt angestellt werden. Die später folgenden stellten
dann die Pfleger an. Nachdem die Ärztin mit mir meine Daten
abgeglichen hatte, ging es los. Es war ein unbeschreiblich komisches
Gefühl. Ich war sehr nervös, weil ich wusste, dass sich alles nun
verändern würde – unaufhaltsam. Auf der anderen Seite fühlte ich
mich befreit. Auch wenn es wirklich komisch klingt. Aber ich hatte
nun endlich eine wirklich richtige Antwort darauf, warum es mir schon
so lange so schlecht ging und ich hatte das Gefühl, dass endlich
etwas dagegen unternommen wird und es mir dann irgendwann endlich
wieder besser gehen würde. Nun lag ich da und wusste nichts so recht
mit mir anzufangen. Als erstes gab es vorbeugend etwas gegen
Übelkeit, gefolgt von Chemo-Medikamenten, mehrfach Blasenschutz und
einen großen Beutel Flüssigkeit. Alles in allem waren die
verschiedenen Tröpfe endlich nach acht Stunden durch. Ich war
wirklich platt und müde. Am Abend begrüßte mich dann starke
Übelkeit, Brechreiz, Magenschmerzen und ständiger, ewig lang
anhaltender Schluckauf. Am nächsten Tag erklärte mir die Ärztin,
dass ich mir gegen den Schluckauf auch etwas hätte geben lassen
können. Die Info wäre im Vorfeld super gewesen. Denn Übelkeit und
Schluckauf ist eine blöde Kombination. Der Schluckauf entsteht in
der Regel nach der ersten Gabe der Therapie, weil sich der Tumor
aufgrund der Mediation erst einmal aufbläht, bevor er dann langsam
zu schrumpfen beginnt. Ab dem Zeitpunkt der ersten Therapie sollte
ich zudem Mundspülungen machen. Je bis zu acht Mal am Tag zum
desinfizieren sowie ein Antipilzmittel. Durch das ständige
Unwohlsein direkt nach der Therapie war mir das allerdings nicht
immer so möglich.
Nach
meiner eher spärlichen Nacht sollte es nun weiter gehen. Vorher gab
es noch etwas gegen meine fiesen Gliederschmerzen. Mir war immer noch
sehr übel und meine Hände zitterten extrem. Nach meinem großen
Tabletten-Mix ging es direkt weiter: etwas gegen die Übelkeit,
Chemotherapie und Flüssigkeit. Zwischenzeitlich kam meine Schwester
und mein Freund zu Besuch. Allerdings fielen mir immer wieder die
Augen zu und ich konnte mich auf unser Gespräch nicht konzentrieren.
Somit war es doch ein recht kurzer Besuch. Nachdem ich
zwischenzeitlich auch noch etwas gegen meine anhaltende Übelkeit
bekam, konnte ich wenigstens für einige Zeit etwas schlafen. Nachdem
ich mein Zimmer das Wochenende über für mich allein hatte, kam
meine Zimmergenossin, die liebe Izzie
Stark,
am späten Nachmittag von ihrer Beurlaubung wieder. Sie hatte
ebenfalls die selbe Therapie vor sich, war fast in meinem Alter und
wir tauschten uns noch etwas aus. Gern hätte ich mich noch weiter
mit ihr unterhalten, aber ich war ganz schon fertig und konnte mich
nicht richtig auf unser Gespräch konzentrieren. Am Abend plagte mich
dann erneut dolle Übelkeit. Auch die Nacht war wieder relativ
schlaflos.
Am
dritten Tag gab es erneut die selben Medikationen des zweiten Tages.
Der Arm, in dem mein Venenzugang war, war bis zu Hand hin
angeschwollen. Die Ärztin meinte, solange es nicht schlimmer wird,
ist das schon in Ordnung, auch wenn es etwas unangenehm war. Bis auf
die Übelkeit, Magenschmerzen, das Zittern und die Schlappheit gab es
sonst keine weiteren Vorkommnisse. Während der Chemotherapien hatte
ich immer Fernsehen gehört, das Schauen war mir irgendwie viel zu
viel. Da nun auch noch der Fernseher im Krankenhaus streikte,
versuchte ich ein wenig vor mich hin zu dösen. Mich auf irgendetwas
anderes zu konzentrieren war irgendwie nicht drin.
Am
nächsten Tag dürfte ich erst mal wieder nach Hause. Vorher bekam
ich noch eine Depotspritze, um die Leukozyten, die durch die Therapie
sehr abfallen und mein Körper somit keine Abwehrkräfte besitzt,
wieder zu aktivieren.
Nachdem
ich mich Zuhause versucht hatte von den Nebenwirkungen und der
Therapie etwas zu erholen, musste ich am achten Tag, der gleichzeitig
der letzte des ersten Therapie-Zykluses war, ambulant wieder ins
Krankenhaus kommen. Eigentlich hätte ich einen Mundschutz tragen
müssen, weil mein Blutbild nicht so gut war und ich somit sehr
anfällig für Infektionen war. Aber ich konnte mich damit einfach
nicht anfreunden. Ich hatte eh schon immer das Gefühl, dass jeder
der mich anschaute wüsste was mit mir los sei. Im Krankenhaus wurde
wieder ein kleines Blutbild gemacht. Anschließend musste ich in den
ambulanten Chemo-Raum. Nachdem mir ein Zugang gelegt wurde, bekam ich
wieder etwas gegen die Übelkeit und anschließend zwei
Bolus-Spritzen. Anschließend durfte ich nach Hause – der erste
Zyklus war geschafft! Am Abend plagten mich wahnsinnige
Gliederschmerzen und Schüttelfrost. Das hatte ich irgendwie nicht
erwartet. Ich war allerdings froh, dass keine neue Übelkeit hinzu
kam. Da kein normales Schmerzmittel half, musste ich eine meiner
verschriebenen Morphin-Tabletten nehmen. Dagegen hatte ich mich doch
sehr gesträubt. Aber diese half ganz gut und die Schmerzen
verschwanden.
In
den darauf folgenden Tagen hatte ich noch sehr mit Kreislaufproblemen
zu tun. Das es draußen an die 40 Grad heiß war, machte das alles
nicht gerade besser. Zu meinem Onkologen schaffte ich es nur mit
Unterstützung. Hierher musste ich zweimal die Woche zum Blutbild
kommen. Die Übelkeit war noch immer etwas vorhanden, wurde aber
langsam etwas besser. Auch das Phänomen, gewisses Essen nicht mehr
riechen oder schmecken zu können, hielt nur wenige Tage an. Nach
einiger Zeit bekam ich dolle Knochenschmerzen – die Depotspritze
begann zu wirken. Mein Körper produzierte neue weiße
Blutkörperchen. Auch meine Mundschleimhaut machte langsam schlapp.
Es brannte beim Essen und trinken und ich hatte kleinere offene
Stellen im Mund. Ich machte fleißig meine Mundspülungen, aber all
das half erst nach einer ganzen Weile. Gegen die fiesen
Schlafstörungen, die mich zum Teil nur eine halbe Stunde pro Nacht
schlafen ließen, bekam ich Schlaftabletten verschrieben. Diese
halfen allerdings auch nur bedingt, aber besser als gar nicht.


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