Dienstag, 23. Februar 2016

Eigentlich mag ich Rosen

Vier Tage später war ich wieder zu Blutabnahme bei meinem Onkologen. Das Blutbild war wieder nicht so doll, die weißen Blutkörperchen waren wieder unter der Norm. Außerdem hatte ich seit dem Vorabend schmerzende, leicht rote Hautstellen. Da sich bereits seit der ersten Therapie damals Haut- und Nervenschäden sichtbar gemacht hatten, dachte ich, dass es sicher wieder so etwas sein wird. Nur, dass ich sonst eigentlich keine Schmerzen hatte. Der Arzt schaute sich die Stellen an und gab mir eine Handcreme für sehr trockene Haut und Neurodermitis mit. Was ich damit sollte, war mir dann doch etwas fragwürdig. Also ließ ich erst mal alles so wie es war. Am Abend wurden die Schmerzen wirklich schlimm. Die Haut rötete sich noch mehr und kleine Punkte bildeten sich. Ich schaute mir die Stellen an und hatte einen leisen Verdacht – dieser sollte sich am nächsten Tag bestätigen.

Am nächsten Tag hatte ich immer noch dolle Schmerzen. Die Stellen sahen auch nicht besser aus und so fuhr mein Papa mit mir erneut ins Krankenhaus. Da Samstag war, musste ich in die Notaufnahme. Dort kam ich erstaunlich schnell dran. Ein kurzer gemeinsamer Blick von zwei Ärzten reichte. „Das ist sehr eindeutig Herpes Zoster“. Herpes? „Ja, ganz klassisch eine Gürtelrose. Sie müssen leider hier bleiben. Die Medikamente müssen über Infusionen verabreicht werden.“ Schon wieder ins Krankenhaus einchecken. Klasse. „Was ist wenn ich die Therapie dadurch verschieben muss?“, schoss mir sofort durch den Kopf. Ich war bedient. Auf die angekündigte Schmerztablette warte ich im übrigen bis heute.

Mal wieder auf Station angekommen, sagte mir der Arzt, dass ich nun drei Mal täglich Infusionen und zusätzlich Schmerzmittel bekommen würde. Die Schmerzmittel waren sehr wichtig, weil sich der Körper diesen Nervenschmerz sonst „merkt“ und ich einen chronischen Schmerz entwickeln könnte. Zusätzlich würde der Arzt einen Dermatologen befragen, ob man noch etwas auf die Stellen auftragen kann. Wie lange das in etwa dauert, konnte er mir nicht sagen. Man müsse erst warten, bis die Bläschen ihren Höchststand erreicht haben und dann anfangen ab zu trocknen. Erst dann könnte ich eventuell wieder nach Hause und ambulant weiter behandeln. Bis dahin müssten wir einfach tagtäglich abwarten.

Von da an gestaltete sich fast jeder Tag gleich: 7 Uhr morgens Infusion, auf die Visite warten, gesagt bekommen, es sähe noch nicht gut aus und wir schauen Morgen wieder – es kann da alles schon ganz anders aussehen. 15 Uhr Infusion. 23 Uhr – wenn man meistens gerade eingeschlafen war, kam die nächste Infusion.

Das Spiel zog sich so bis zum 9. Tag. Da ich noch immer die selbe Flexüle im Arm hatte, merkte ich bei der morgendlichen Infusion, dass mein Arm und Bett komplett nass war. Ich musste auf den Arzt warten, weil nur er mir eine neue Flexüle legen durfte. Seitdem die Nadel ewig in dieser Vene lag, hatte diese sich (sogar bis heute!) verabschiedet. Da Wochenende war, wartete ich wieder Ewigkeiten. Lustiger Weise war der Wochenend-Arzt mein erster behandelnder Arzt von der Sarkom-Station. Er legte mir eine neue Nadel und sagte, er hätte doch eigentlich gedacht, dass ich nur die zwei ABVD-Therapien bekommen würde. Aber da wohl meine Blutsenkung ein Risikofaktor war, entschied man sich wohl doch lieber für die jetzige Therapieform.

Am Abend und auch am nächsten Morgen brannte die Infusion höllisch in meinem Arm. Ich weiß nicht, ob es an der kleinen und dünnen Vene lag oder weil die Nadel einfach nur komisch lag. Man sagte mir, ich solle das später mit der neuen Stationsärztin klären. Als sie später kam, schaute sie sich meine Stellen an und fragte mich, wieso man das denn nicht mit Tabletten Zuhause behandelt hätte. Ich dachte, ich höre nicht richtig... Sie sagte, dass die Stellen sehr langsam anfangen würden ab zu heilen und ich Zuhause mit Tabletten weiter behandeln kann. Sie nahm vorsichtshalber nochmals Blut ab und schickte mich nach Hause. Nun sollte ich auch nach meinen Therapien wieder die Depotspritze bekommen. Meine letzte Gabe des 3. Zyklus hatte sich somit nun um eine Woche nach hinten verschoben...

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