Vier
Tage später war ich wieder zu Blutabnahme bei meinem Onkologen. Das
Blutbild war wieder nicht so doll, die weißen Blutkörperchen waren
wieder unter der Norm. Außerdem hatte ich seit dem Vorabend
schmerzende, leicht rote Hautstellen. Da sich bereits seit der ersten
Therapie damals Haut- und Nervenschäden sichtbar gemacht hatten,
dachte ich, dass es sicher wieder so etwas sein wird. Nur, dass ich
sonst eigentlich keine Schmerzen hatte. Der Arzt schaute sich die
Stellen an und gab mir eine Handcreme für sehr trockene Haut und
Neurodermitis mit. Was ich damit sollte, war mir dann doch etwas
fragwürdig. Also ließ ich erst mal alles so wie es war. Am Abend
wurden die Schmerzen wirklich schlimm. Die Haut rötete sich noch
mehr und kleine Punkte bildeten sich. Ich schaute mir die Stellen an
und hatte einen leisen Verdacht – dieser sollte sich am nächsten
Tag bestätigen.
Am
nächsten Tag hatte ich immer noch dolle Schmerzen. Die Stellen sahen
auch nicht besser aus und so fuhr mein Papa mit mir erneut ins
Krankenhaus. Da Samstag war, musste ich in die Notaufnahme. Dort kam
ich erstaunlich schnell dran. Ein kurzer gemeinsamer Blick von zwei
Ärzten reichte. „Das ist sehr eindeutig Herpes Zoster“. Herpes?
„Ja, ganz klassisch eine Gürtelrose. Sie müssen leider hier
bleiben. Die Medikamente müssen über Infusionen verabreicht
werden.“ Schon wieder ins Krankenhaus einchecken. Klasse. „Was
ist wenn ich die Therapie dadurch verschieben muss?“, schoss mir
sofort durch den Kopf. Ich war bedient. Auf die angekündigte
Schmerztablette warte ich im übrigen bis heute.
Mal
wieder auf Station angekommen, sagte mir der Arzt, dass ich nun drei
Mal täglich Infusionen und zusätzlich Schmerzmittel bekommen würde.
Die Schmerzmittel waren sehr wichtig, weil sich der Körper diesen
Nervenschmerz sonst „merkt“ und ich einen chronischen Schmerz
entwickeln könnte. Zusätzlich würde der Arzt einen Dermatologen
befragen, ob man noch etwas auf die Stellen auftragen kann. Wie lange
das in etwa dauert, konnte er mir nicht sagen. Man müsse erst warten,
bis die Bläschen ihren Höchststand erreicht haben und dann anfangen
ab zu trocknen. Erst dann könnte ich eventuell wieder nach Hause und
ambulant weiter behandeln. Bis dahin müssten wir einfach tagtäglich
abwarten.
Von
da an gestaltete sich fast jeder Tag gleich: 7 Uhr morgens Infusion,
auf die Visite warten, gesagt bekommen, es sähe noch nicht gut aus
und wir schauen Morgen wieder – es kann da alles schon ganz anders
aussehen. 15 Uhr Infusion. 23 Uhr – wenn man meistens gerade
eingeschlafen war, kam die nächste Infusion.
Das
Spiel zog sich so bis zum 9. Tag. Da ich noch immer die selbe Flexüle
im Arm hatte, merkte ich bei der morgendlichen Infusion, dass mein
Arm und Bett komplett nass war. Ich musste auf den Arzt warten, weil
nur er mir eine neue Flexüle legen durfte. Seitdem die Nadel ewig in
dieser Vene lag, hatte diese sich (sogar bis heute!) verabschiedet.
Da Wochenende war, wartete ich wieder Ewigkeiten. Lustiger Weise war
der Wochenend-Arzt mein erster behandelnder Arzt von der
Sarkom-Station. Er legte mir eine neue Nadel und sagte, er hätte
doch eigentlich gedacht, dass ich nur die zwei ABVD-Therapien
bekommen würde. Aber da wohl meine Blutsenkung ein Risikofaktor war,
entschied man sich wohl doch lieber für die jetzige Therapieform.
Am
Abend und auch am nächsten Morgen brannte die Infusion höllisch in
meinem Arm. Ich weiß nicht, ob es an der kleinen und dünnen Vene
lag oder weil die Nadel einfach nur komisch lag. Man sagte mir, ich
solle das später mit der neuen Stationsärztin klären. Als sie
später kam, schaute sie sich meine Stellen an und fragte mich, wieso
man das denn nicht mit Tabletten Zuhause behandelt hätte. Ich
dachte, ich höre nicht richtig... Sie sagte, dass die Stellen sehr
langsam anfangen würden ab zu heilen und ich Zuhause mit Tabletten
weiter behandeln kann. Sie nahm vorsichtshalber nochmals Blut ab und
schickte mich nach Hause. Nun sollte ich auch nach meinen Therapien
wieder die Depotspritze bekommen. Meine letzte Gabe des 3. Zyklus
hatte sich somit nun um eine Woche nach hinten verschoben...
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