Donnerstag, 11. Februar 2016

Auf des Rätsels Spuren

Nachdem ich im Foyer eingecheckt und die Erstaufnahme hinter mich gebracht hatte, musste ich auf die Station gehen. Da war ich nun mit meinem Koffer – auf der Station für Sarkome und Tumorerkrankungen. Ich fühlte mich völlig erschlagen: ich sah Menschen, die körperlich in schlechtester Verfassung waren und um ihr Leben kämpfen mussten. Ja, sogar Menschen, welche teilweise in meinem Alter gewesen sein mussten. Und da war sie plötzlich: lähmende Angst. Da saß ich nun ohne ein Wort zu sagen zwischen Mama und Papa und versuchte mich nicht von meinen Eindrücken und Ängsten übermannen zu lassen. Und wenn ich in die ebenso geschockten Gesichter meiner Eltern sah, machte es das nicht gerade leichter. Ich glaube, wir dachten in dem Moment alle einfach nur das selbe: bitte lass es kein Krebs sein... Ich war dennoch wirklich sehr dankbar, nicht allein da sitzen zu müssen. Ich wartete einige Zeit auf mein Zimmer gehen zu können. Später dort angekommen, musste ich es mir mit einer Frau mittleren Alters teilen, welche nur im Bett völlig entkräftet an ihrem Tropf lag - Haare hatte sie keine mehr und auch ihr Körper war wahnsinnig durch die Medikamente aufgedunsen sowie mit einem jungen Mädchen mit Glatze, welches sich mir schwach lächelnd vorstellte und etwas neben sich stehend an mir vorbei schlürfte. Für mich war es ein Horror-Szenario. Einige Zeit später kam ein sehr netter Arzt zu mir ins Zimmer. Er führte das Aufnahmegespräch mit mir und erklärte mir, welche Untersuchungen eventuell auf mich zukommen würden. Anschließend musste ich noch zum EKG. Dort war ich nervlich völlig fertig von der ganzen Situation und der Angst, dass mich so etwas auch erwarten könnte.

Bereits am nächsten Tag stand meine CT-gestützte Biopsie an. Hiervor hatte ich wirklich große Angst und war so nervös, dass ich auf der Liege mein Zittern nicht in den Griff bekommen konnte. Zudem war es auch noch wahnsinnig kalt in dem Raum. Die Schwestern dort waren wirklich sehr nett und versuchten mich zu beruhigen. Ich hatte sogar zwei Ärzte die zusammen die Biopsie durchführten. Zuerst wurde mein Unterkörper ordentlich mit Decken eingepackt. Im Anschluss bekam ich so eine tolle grüne „Abdeckfolie“ auf meinen Oberkörper, auf der dann ein Fenster für die Punktion ausgeschnitten wurde. Danach wurde ich, wie ein Braten der dann in den Ofen geschoben wird, mit orangener Sauce eingepinselt. Durch meinen Zugang bekam ich ein Beruhigungsmittel injiziert. Da ich aber noch nicht wirklich zum träumen bereit war, bekam ich noch etwas nachgelegt. Dann wurde ich ins CT gefahren. Viel weiß ich nicht mehr, lediglich das die zweite Biopsie durch meinen Brustkorb dann doch recht weh tat. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass ich nun fertig sei und die Augen auf machte. Das überlegte ich mir aber dann schnell anders, als ich die Klemmen auf meinem Brustkorb noch baumeln sah. Als ich das nächste Mal erwachte, wurde ich aus dem CT-Gerät gefahren. Ich merkte, dass mir übel durch die Medikation wurde und bekam sofort etwas wirksames dagegen gespritzt. Anschließend wurde ich für lange Zeit auf dem Flur geparkt, bevor ich wieder auf die Station durfte. Dort musste ich noch etwas Zeit im Bett verbringen.

Am nächsten (Frei)Tag wurde ich beurlaubt. Am Montag sollte ich wieder ins Krankenhaus kommen, da am Wochenende eh nichts weiter gemacht wird und die Biopsien erst untersucht werden mussten. Ich sollte lediglich noch auf eventuelle Nebenwirkungen der Biopsie achten, da die Biopsien nah an der Lunge entnommen wurden und diese manchmal unmerklich angestochen werden sein könnte. Geduscht werden durfte nur mit einem sexy Duschpflaster, welches über das eigentliche Pflaster der Wunden geklebt wird. Aber bis auf Atemnot sollte mich an diesem Wochenende zuhause nichts weiter, bis auf die mich ständig begleitende Unruhe und Ungewissheit, belästigen.

Am Montag wieder gelandet, stand ein MRT vom Abdomen (Bauch) auf dem Plan. Hier war zum Glück alles in Ordnung. Der Arzt sagte mir, dass meine Proben nun in eine Spezialklinik weitergeschickt worden sind und ich direkt wieder beurlaubt werden könnte. Ich sollte dann am nächsten Tag nachfragen, ob es schon einen Befund gibt. Anschließend müsste ich zur Befundbesprechung wiederkommen. So recht wusste ich nicht, was ich davon halten sollte, dass die Proben nun weitergeschickt worden sind. Heißt es, dass sie gut sind und dies noch bestätigt werden soll oder heißt es, dass man die guten Sachen bereits geprüft hat? Auch dieses Hin und Her machte mich völlig wuschig, natürlich freute ich mich nicht da bleiben zu müssen, aber wozu war ich denn vor kurzem wieder mit Sack und Pack hier angereist?

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