Nachdem
ich im Foyer eingecheckt und die Erstaufnahme hinter mich gebracht
hatte, musste ich auf die Station gehen. Da war ich nun mit meinem
Koffer – auf der Station für Sarkome und Tumorerkrankungen. Ich
fühlte mich völlig erschlagen: ich sah Menschen, die körperlich in
schlechtester Verfassung waren und um ihr Leben kämpfen mussten. Ja,
sogar Menschen, welche teilweise in meinem Alter gewesen sein
mussten. Und da war sie plötzlich: lähmende Angst. Da saß ich nun
ohne ein Wort zu sagen zwischen Mama und Papa und versuchte mich
nicht von meinen Eindrücken und Ängsten übermannen zu lassen. Und
wenn ich in die ebenso geschockten Gesichter meiner Eltern sah,
machte es das nicht gerade leichter. Ich glaube, wir dachten in dem
Moment alle einfach nur das selbe: bitte lass es kein Krebs sein...
Ich war dennoch wirklich sehr dankbar, nicht allein da sitzen zu
müssen. Ich wartete einige Zeit auf mein Zimmer gehen zu können.
Später dort angekommen, musste ich es mir mit einer Frau mittleren
Alters teilen, welche nur im Bett völlig entkräftet an ihrem Tropf
lag - Haare hatte sie keine mehr und auch ihr Körper war wahnsinnig
durch die Medikamente aufgedunsen sowie mit einem jungen Mädchen mit
Glatze, welches sich mir schwach lächelnd vorstellte und etwas neben
sich stehend an mir vorbei schlürfte. Für mich war es ein
Horror-Szenario. Einige Zeit später kam ein sehr netter Arzt zu mir
ins Zimmer. Er führte das Aufnahmegespräch mit mir und erklärte
mir, welche Untersuchungen eventuell auf mich zukommen würden.
Anschließend musste ich noch zum EKG. Dort war ich nervlich völlig
fertig von der ganzen Situation und der Angst, dass mich so etwas
auch erwarten könnte.
Bereits
am nächsten Tag stand meine CT-gestützte Biopsie an. Hiervor hatte
ich wirklich große Angst und war so nervös, dass ich auf der Liege
mein Zittern nicht in den Griff bekommen konnte. Zudem war es auch
noch wahnsinnig kalt in dem Raum. Die Schwestern dort waren wirklich
sehr nett und versuchten mich zu beruhigen. Ich hatte sogar zwei
Ärzte die zusammen die Biopsie durchführten. Zuerst wurde mein
Unterkörper ordentlich mit Decken eingepackt. Im Anschluss bekam ich
so eine tolle grüne „Abdeckfolie“ auf meinen Oberkörper, auf
der dann ein Fenster für die Punktion ausgeschnitten wurde. Danach
wurde ich, wie ein Braten der dann in den Ofen geschoben wird, mit
orangener Sauce eingepinselt. Durch meinen Zugang bekam ich ein
Beruhigungsmittel injiziert. Da ich aber noch nicht wirklich zum
träumen bereit war, bekam ich noch etwas nachgelegt. Dann wurde ich
ins CT gefahren. Viel weiß ich nicht mehr, lediglich das die zweite
Biopsie durch meinen Brustkorb dann doch recht weh tat. Ich weiß
noch, wie ich dachte, dass ich nun fertig sei und die Augen auf
machte. Das überlegte ich mir aber dann schnell anders, als ich die
Klemmen auf meinem Brustkorb noch baumeln sah. Als ich das nächste
Mal erwachte, wurde ich aus dem CT-Gerät gefahren. Ich merkte, dass
mir übel durch die Medikation wurde und bekam sofort etwas wirksames
dagegen gespritzt. Anschließend wurde ich für lange Zeit auf dem
Flur geparkt, bevor ich wieder auf die Station durfte. Dort musste
ich noch etwas Zeit im Bett verbringen.
Am
nächsten (Frei)Tag wurde ich beurlaubt. Am Montag sollte ich wieder
ins Krankenhaus kommen, da am Wochenende eh nichts weiter gemacht
wird und die Biopsien erst untersucht werden mussten. Ich sollte
lediglich noch auf eventuelle Nebenwirkungen der Biopsie achten, da
die Biopsien nah an der Lunge entnommen wurden und diese manchmal
unmerklich angestochen werden sein könnte. Geduscht werden durfte
nur mit einem sexy Duschpflaster, welches über das eigentliche
Pflaster der Wunden geklebt wird. Aber bis auf Atemnot sollte mich an
diesem Wochenende zuhause nichts weiter, bis auf die mich ständig
begleitende Unruhe und Ungewissheit, belästigen.
Am
Montag wieder gelandet, stand ein MRT vom Abdomen (Bauch) auf dem
Plan. Hier war zum Glück alles in Ordnung. Der Arzt sagte mir, dass
meine Proben nun in eine Spezialklinik weitergeschickt worden sind
und ich direkt wieder beurlaubt werden könnte. Ich sollte dann am
nächsten Tag nachfragen, ob es schon einen Befund gibt. Anschließend
müsste ich zur Befundbesprechung wiederkommen. So recht wusste ich
nicht, was ich davon halten sollte, dass die Proben nun
weitergeschickt worden sind. Heißt es, dass sie gut sind und dies
noch bestätigt werden soll oder heißt es, dass man die guten Sachen
bereits geprüft hat? Auch dieses Hin und Her machte mich völlig
wuschig, natürlich freute ich mich nicht da bleiben zu müssen, aber
wozu war ich denn vor kurzem wieder mit Sack und Pack hier angereist?
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