Mittwoch, 1. Juni 2016

Das soll es jetzt gewesen sein?

diese Frage ploppt des Öfteren in meinem Kopf hoch. Versteht mich nicht falsch, ich bin unendlich froh über den Abschluss und hoffe natürlich, dass es dabei bleibt, aber es fühlt sich komisch an. Diagnose, Therapie, Reha und fertig. Das was sich jetzt natürlich so einfach sagt und schreibt, dauerte gefühlte Ewigkeiten und ich habe so sehr das Gefühl so viel verpasst und so viel Zeit gestohlen bekommen zu haben. Und dennoch steht man nun gefühlt so da, als hätte der Bus einen vergessen abzuholen. Der sollte mich doch schließlich da abliefern, wo ich zuletzt einsteigen musste. Manchmal fühle ich mich dann wieder total normal. Dann aber merke ich, wie ich an meine körperlichen und seelischen Grenzen komme. Oder aber, ich fühle ich so auf einen anderen Lebenspfad abgesetzt, dass mir scheint, ich könne gar nicht mehr so unbeschwert das Leben genießen, ohne die kleine fiese Stimme im Hinterkopf zu haben, wie schnell all das vorbei sein oder sich verändern kann. Und obwohl ich sehr dankbar bin, dass ich wieder gesund bin und es „mich hätte schlimmer treffen können“, habe ich einfach das Gefühl, dass sich einfach alles für immer geändert hat. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass es einfach nur wieder „normal“ wird. Ich fühle mich immer noch so raus gerissen von allem. Ob es sich wieder ändern wird? Bestimmt, aber momentan scheint mir das alles noch immer sehr weit entfernt.

Grundsätzlich habe ich nicht mehr so arge Ängste, dass mein Untermieter jemals wieder zurück kommen könnte. Stattdessen ist das Gefühlsleben noch immer nicht wieder ausgeglichen. Es ist alles eine einzige kleine, mal gewaltige Berg- und Talfahrt. Mit großer Sicherheit sind meine noch immer nicht zurück gekommenen Hormone daran schuld und sicherlich auch ein paar der Nachwirkungen der Medikationen. Zumindest schiebe ich es immer fleißig darauf. Doch mittlerweile merke ich, dass auch meine Seele gewisse Risse nur schwer allein heilen kann. Doch umso mehr Zeit verrinnt, umso mehr hofft und erwartet man, dass alles doch nun wieder normale Züge annimmt. Das Umfeld um mich herum sowieso. Es ist schwierig, wenn die Menschen nicht verstehen, dass eben nicht alles wie vorher ist.

Nachdem ich mich mit vielen Betroffenen ausgetauscht habe, habe ich nun auch morgen einen Termin bei einer Psychoonkologin. Leider verliefen therapeutische Einzelgespräche in meiner Reha nicht wie erhofft. Beziehungsweise eher das eine – mehr, so war die Psychologin der Meinung, bräuchte ich eigentlich nicht. Ich hatte eine Psychologin bekommen, die der Meinung war, es sei alles „gut“ bei mir und sie drückte mir nur irgendwelche ausgedruckten Sachen, für den Fall einer Angstattacke, in die Hand. Umso zuversichtlicher bin ich, dass das Gespräch morgen besser verlaufen wird. Ich werde euch auf jeden Fall davon berichten.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Wiedersehen macht Freude

In den letzten zwei Wochen hatte ich ein paar Dates. Balsam für die leicht angeknackste Seele und temporär anklopfende Paranoia.

Den Anfang machte wieder jemand aus meiner Reha-Truppe. Ich hatte kurz von ihr berichtet, weil bei uns alles so sehr erschreckend ähnlich ablief. Wir tauschten uns aus und stellten fest, dass wir, mal wieder, noch fast die selben Symptome beziehungsweise Nachwirkungen teilten. Aktuell juckt die Haut noch unsagbar doll, die Wechseljahresbeschwerden halten uns in Schach und auch die Ungewissheit, wie es nun weiter läuft oder laufen soll, klebte wie ein Post-it, mit fettem Fragezeichen, auf unserer Stirn.

Ein paar Tage später, traf ich mich mit der lieben Izzie. Ich weiß gar nicht genau, wann wir uns das letzte Mal gesehen hatten – das muss irgendwann in den letzten Zügen unserer Chemo gewesen sein. Spannend war auch, dass wir uns das erste Mal mit neuer Sommerwolle auf dem Kopf sahen. Im Kopf hätte man wundervoll ein Daumenkino abspielen können: wie wir uns im Krankenhaus die ersten Male sahen, wo äußerlich noch alles „normal“ war, dann wurden meine Haare kürzer, später sahen wir uns mit Mütze oder Perücke und schlussendlich mit frisch bestellten und ausgepackten Haarwurzeln. Wir berichteten uns von unserer Reha und unseren Erfahrungen und Eindrücken und ließen die unzähligen Anekdoten der Krankenhaus- und Therapiezeit noch ein Mal Revue passieren. Hauptsache ist, dass wir endlich drüber lachen können! Wir sollten wirklich ein Buch schreiben. Ich fiel aus allen Wolken, als ich auf die Uhr gesehen habe und die Stunden nur so vorbei geflogen waren. Das Treffen tat mir wirklich gut.

Schlusslicht spielte das heutige Treffen. Niemals hätte wir gedacht, dass wir uns mal auf diese Weise, beziehungsweise unter diesem Umständen, wieder sehen würden. Ich traf mich mit meiner Ausbilderin, die ich schon zehn Jahre nicht mehr gesehen habe. Zum Jahreswechsel erfuhr ich, durch einen Zufall, dass sie im vergangenen Jahr selber an Krebs erkrankt war. Daraufhin tauschten wir uns aus und beschlossen, dass wir uns unbedingt mal treffen sollten – die Zeit hatten wir ja beide aktuell noch. Wir quasselten ohne Punkt und Komma aufeinander ein. Es war schön, dass wir so offen miteinander reden konnten.

Wieder zeigte sich mir, wie wichtig und trotz allem doch auch schön der Austausch mit anderen Betroffenen ist. Man fühlt sich verstanden, was leider oft schwierig in unmittelbarem Umfeld geworden ist und für viele Menschen so einiges auch nicht nachvollziehbar ist. Da tut es gut zu wissen, dass auch, wenn man selten das Gefühl hat, doch alles irgendwo „normal“ so ist, wie es ist...

Donnerstag, 5. Mai 2016

Nachsorge, die 2. - einmal Blut abzapfen, bitte!

Meine Güte – der letzte Eintrag liegt nun wirklich sehr lange zurück! Vor einiger Zeit wollte ich über ein bestimmtes Thema bloggen. Genau an diesem Tag, hatte ich allerdings meinen Laptop nicht bei mir und später war diese Stimmung, in der ich mich befand, dahin. Da wollte ich mir nichts dazu aus den Fingern saugen.

Am Montag stand meine zweite Nachsorge an. Bei dieser sollte nur ein großes Blutbild gemacht werden. Wie bereits in einem anderen Eintrag erwähnt, meinte der Arzt in der Reha zu mir, dass man diese Art der Erkrankung eigentlich sehr selten im Blutbild sehen kann – auch wenn ich im letzten Jahr „Glück“ hatte und mein Blutbild deutlich schrie, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Von daher blickte ich dieser Nachsorge eher ernüchternd entgegen.

Pünktlich um 10:00 Uhr fand ich mich wieder im Krankenhaus ein. Anmelden, warten und ab in den Chemoraum zur Blutabnahme. Jedes Mal frage ich mich, wieso es ein Labor zur Blutabnahme gibt, wenn man sich doch jedes Mal wieder in den Chemoraum begeben muss. Jedes Mal mit einem verdammt blödem Gefühl im Bauch, wenn man die Menschen dort sieht oder einem die Gedanken und Bilder wieder in den Kopf kommen. Klar, im Wartebereich sieht man auch nicht gerade grüne Wiesen mit kleinen Schmusehäschen, aber dennoch ist es dort noch einmal anders. Also nun wieder angespannt auf den Chemostuhl hüpfen. Die Schwester kam mit weniger Röhrchen, als ich erwartet hatte. Sonst waren es unzählige – und heute sollte nun auch wieder Studienblut mit abgenommen werden. Aber ich möchte mich ja nicht beschweren. Da ja meine eine Vene wieder erschienen war, war ich zuversichtlich, die letzten Blutabnahmen klappten dort ja wieder ganz gut. Naja, für eigentlich erfahrene Schwestern anscheinend nicht. Nach Hin- und Herstochern klappte es letzten Endes. Anschließend verließ ich den Raum und brachte noch schnell mein Pipi ins Labor und wartete... und wartete... und wartete... Nach einer knappen Stunde rief mich mein Studienarzt auf. Er fragte nur kurz, wie es mir geht und sagte, dass die Werte soweit gut aussehen. Sollte er doch noch etwas finden, würde er sich bei mir melden. Aha. Im Anschluss fragte er mich, ob ich denn zufrieden mit dem Verlauf der Therapie sei. Er muss meinen verdatterten Gesichtsausdruck bemerkt haben und legte hinterher: „Ja, also ich meine, sonst ist ja wieder alles gut, oder?“ Wie eigentlich immer, fehlten mir die Worte. In meiner wieder innerlich ansteigenden Wut vergaß ich sogar genau nach den einzelnen Blutwerten zu fragen. Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass ich mir den Tag getrost hätte sparen können...

In einem halben Jahr steht dann die nächste Nachsorge an. Da wird dann wieder ganz groß aufgefahren: Blutbild, Ultraschall, Röntgen, EKG, Echo und Lungenfunktion. Wenn das kein Tagesausflug wird, weiß ich auch nicht.

Dienstag, 5. April 2016

Home sweet home

Bald zwei Wochen sind nun vorbei, seitdem ich wieder Zuhause gelandet bin. Die Reha war überraschend schnell vorüber – hatte ich doch erst meine Bedenken, so lange Zeit nicht da zu sein. Meine Abreise war wirklich sehr zweigeteilt: ich freute mich natürlich wahnsinnig auf Zuhause und doch war ich einfach unsicher. Was ist dann? Die Behandlungen, die Reha, der Tagesablauf – all das war nun vorbei und lag hinter mir. Und nun erwartet man doch, dass es wieder zurück in das „normale“ Leben geht. So wirklich bereit fühle ich mich dazu ehrlich gesagt noch nicht. Doch eines kann ich ganz klar sagen: die Reha tat mir unerwartet gut. Sehr gut sogar. Ich kann nur jedem empfehlen, der so etwas durchmachen musste, dies in Anspruch zu nehmen! Die vielen Gespräche und Menschen, die ich kennenlernen dürfte, der Schubs in einen geregelten Tagesablauf und vor allen Dingen der (manchmal doch extrem viele) Sport. Alleine hätte ich mir diese Dosis und Trainingseinheiten überhaupt nicht zugemutet und zugetraut. Ich merke wirklich, dass mein Körper fitter ist, als davor. Ich habe unheimlich viel mitgenommen. Sei es menschlich, gedanklich oder eben einfach nur von der sportlichen Seite. Hier Zuhause fehlt mir auch ganz schön unser Galgenhumor und den Spaß, den wir in dieser Zeit hatten. Hier fühlt sich alles irgendwie wieder eine Spur schwerer und ernster an.

Doch wie geht es jetzt weiter? Das frage ich mich selbst und werde ich oft gefragt. Eine klare Antwort kann ich nicht recht geben. Auf der einen Seite möchte ich schnell wieder zur Arbeit, denn auch das bedeutet wieder ein Stück Normalität. Wie sagte meine Lieblingsärztin gestern: „Endlich wieder zurück ins Leben.“ Doch ein bisschen Zeit möchte und muss ich mir dennoch einräumen und werde ich auch versuchen, mir zu nehmen. Auch, wenn ich mich von allen Seiten ganz schön unter Druck gesetzt fühle und auch ab und an die Decke wieder auf meinem Haupt anklopft. Ich möchte die Sportübungen weiter machen, meinen Körper noch etwas stärken, bevor ich mich wieder ins Geschehen stürze. Auf der anderen Seite habe ich auch großen Respekt vor meinem „alten“ Leben. Werde ich das packen? Kann ich da anknüpfen, wo ich aufhören musste? Ich kann doch nicht einfach einen Schalter umlegen. Die Vorstellung daran scheint mir irgendwie unwirklich. Überhaupt die Vorstellung wieder „normal“ zu leben erscheint mir so weit weg und überhaupt nicht greifbar, auch, wenn sich das wohl möglich wieder schnell ändern wird. Auch an die ganzen Fragen und Blicke möchte ich nicht denken.

Bis dahin allerdings versuche ich, alles erst mal auf mich weiterhin zukommen zu lassen. Ich versuche auf mein Bauchgefühl zu hören und einfach zu sehen, wann ich soweit bin - Stress ist ja schließlich nicht gut für den Körper...

Mittwoch, 16. März 2016

Anschlussheilbehandlung - oder nennen wir es einfach mal Reha

Drei Wochen sind vergangen und ich komme erst jetzt dazu, die Dinge nieder zu schreiben. Am Donnerstag, den 24. März 2016, ging es für mich zur Anschlussheilbehandlung. Schatzi, wieder unabdingbar an meiner Seite, fuhr mich in die vier Stunden entfernte Klinik. Hier hatte ich mich nach langer Recherche für ein spezialisiertes Programm, extra für junge Erwachsene bis 32, angemeldet. Ich fuhr mit gemischten Gefühlen, auf der einen Seite war es ein doofes Gefühl gleich vier Wochen nicht Zuhause zu sein und wieder mein Umfeld wechseln zu müssen. Schließlich war ich ja lang genug durch die Krankenhausaufenthalte nicht Zuhause gewesen. Auf der anderen Seite freute ich mich aber. Ich hatte die Hoffnung, endlich wieder fit zu werden, Kraft zu tanken (auch innerlich) und einfach mal raus und weg zu kommen. Klar würde ich auch hier sehr mit meiner Krankheit oder die der anderen konfrontiert werden, aber es fühlte sich anders an. Alle sitzen wir im selben Boot. Hier muss sich niemand rechtfertigen für seine Launen, Gefühle, Traurigkeit, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Narben die innerlich oder äußerlich sind, Ängste oder Zukunftsangst. Nein, hier kann ich wirklich sein wie ich bin, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber anderen zu haben. Es ist nun mal alles verändert und das zum Teil für immer. Doch wirklich verstehen tut das leider keiner. Könnte ich als Außenstehender auch nicht. Also bin ich nachsichtig und versuche es auch von außen zu sehen, um keinen Unrecht zu tun...

Nachdem ich mich angemeldet und mein Zimmer gezeigt bekommen hatte, musste ich zum Aufnahmegespräch. Als sich die Tür des Oberarztes öffnete, musste ich lachend feststellen, dass man diesen aus dem Infofilm der Klinik und des Konzeptes aus dem Internet kennt. Das Gespräch war wirklich nett und ich hatte endlich mal das Gefühl, dass mir ein Arzt zuhört, einfühlsam ist und mich versteht. Er fragte mich nach meinen Zielen, was mich derzeit noch einschränkt und belastet und welche Sportprogramme mich interessieren würden. Anhand dessen wird mein Wochenplan erstellt. Diesen sollte ich abends bekommen.

Zum Mittag sah ich dann meine Gruppe. Mit dieser werde ich die nächsten vier Wochen verbringen, auch wenn nicht jeder immer die selben Kurse hat. Aber zu den Mahlzeiten, Ausflügen und Gruppenaktivitäten oder auch mal abends, sind wir immer zusammen. Insgesamt sind wir eine recht große Gruppe von 15 Leuten. Erschreckend stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass ich sogar die Zweitälteste bin. Ich bin schockiert! Zu meinem Erstaunen haben auch so einige diesen Morbus Hodgkin-Untermieter gehabt. Bei einer aus meiner Gruppe fühle ich mich fast, als sähe ich in einen Spiegel. Sie hat zwar zwei Zyklen mehr bekommen, Bestrahlung, noch kürzere Haare und der Tumor war um einiges größer, aber der Rest ähnelt allem so sehr, dass es fast schon erschreckend ist. Die Symptomatiken im Vorfeld, der Ärztemarathon, verbliebene Nebenwirkungen... Wahnsinn. Ich bin froh darüber, dass ich in meiner Gruppe einige Leute habe, mit denen ich mich – speziell zu meiner Krankheit – austauschen kann. Zwei Mädels sind sogar ein zweites Mal hier. Nach einem Jahr hat man nämlich die Möglichkeit, noch einmal eine Reha machen zu können. Es ist schön zu sehen, dass alles wieder bergauf geht, auch wenn bei beiden noch lange nicht wieder alles gut und „normal“ ist.

Meine drei Wochen waren bisher mehr als vollgepackt. Darunter viele Sportprogramme wie Gymnastik für den Bauch und Rücken, Wassergymnastik, Ausdauertraining, Body Workout, Muskeltraining und Krankengymnastik. Weiterhin gibt es einige Vorträge, an denen man teilhaben kann, so zum Beispiel für die gesunde Ernährung, Stressbewältigung, soziale Themen und Ansprüche und auch Fatigue. Letzteres fand ich noch einmal sehr interessant, auch wenn ich vor einiger Zeit darüber mal eine Broschüre gelesen hatte, in der ich mich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wieder fand. Doch nun erkenne ich so viele Symptome wieder. Ich dachte auch daran, wie sehr dieser Vortrag so vielen in meinem Umfeld gut getan hätte. So würden sie mich und so einiges sicher besser verstehen können... Die Leiterin des Kurses sagte, man soll in der Broschüre am besten alles markieren, was auf einen zutreffen würde und es den Mitmenschen zeigen, damit diese unsere Situation vielleicht besser verstehen könnten. Aber irgendwie finde ich es das auch doof. Ich will ja auch keinen mit der Nase drauf stupsen und ständig sagen, lies doch nach, dass hab ich und das ist mit mir oder meinem Körper los... Weiterhin gibt es noch diverse Gruppenaktivitäten wie gemeinsames Kochen, Sport, Gruppengespräche mit einer Psychologin, Ausflüge und Sport. Heute Abend startet auch das Projekt „Leinwand“. Hier bekommen wir die Aufgabe, eine Leinwand bis zum Reha-Ende anzufertigen. Wir sollen uns Gedanken machen, was zu unserer Truppe am besten passen würde und das dann zeichnen, kleben, mit Fotos gestalten oder sonstiges. Am Samstag steht dann noch ein letzter Ausflug an. Wir werden erst in die Bon Bon-Fabrik fahren und im Anschluss werden wir gemeinsam kochen. Darauf freue ich mich schon sehr.

Ihr seht also, hier wird es nicht langweilig und auch die Zeit ging bisher so rasend schnell vorbei. Das hätte ich nicht erwartet. Und auch bloggen wollte ich eigentlich etwas öfter! Aber so ist es etwas kompakter, alles andere wäre wohl auch zu viel geworden. Und das schöne ist: der Blog ist ENDLICH aktuell und ich muss nicht mehr so weit in der Vergangenheit graben!!!

Alles Liebe aus der Ferne,

eure Jasmin

Donnerstag, 10. März 2016

Die erste (?) Nachsorge

Nun war es so weit – die erste Nachsorge stand nach drei Monaten an. Laut des Nachsorgeplans ist die erste Nachsorge direkt nach der Therapie, aber ich finde, es ist eher eine Kontrolle, ob es wirklich weg ist. Dann kann nachkontrolliert werden. Eigentlich sagte man mir auch mal, dass es eher eine Abschlussuntersuchung ist.

Erstaunlicher Weise hatte ich die Nacht davor gut geschlafen. Ein komisches Gefühl hatte ich vor dem Termin dennoch – musste ich doch genau auf die selbe Ct-Liege, auf der noch vor gut sechs Monaten die Biopsien entnommen wurden, die mein Schicksal besiegeln sollten. Ja, ein klein wenig Angst schlich sich durchaus ein, aber dennoch dachte ich sehr positiv. Das mich mein ehemaliger Untermieter noch mal unangemeldet überfallen würde und dann auch nach der kurzen Zeit, hielt ich so ziemlich für unmöglich.

Im Krankenhaus angekommen, wurde mir erst mal ein Zugang gelegt und Blut abgenommen. Dies geschah im überfüllten Chemoraum. Einige meiner Venen waren durch die Chemotherapien dahin gerafft worden. Umso überraschter war ich, dass sich meine eine, einst super Vene, nach Monaten endlich wieder an die Oberfläche gewagt hatte. Es war komisch wieder da zu sein und die Menschen zu sehen, die mitten in ihrer Therapie waren. Ich dachte automatisch an die Zeit, in der ich selbst hier saß. Ich dachte daran, wie ich immer etwas leckeres zu essen im Beutel hatte, vollgepackt mit Muttis Frauenzeitschriften, wie ich immer gedanklich die Liste abhakte wenn eines der vielen Medikationen durch war, wie Schatzi sich die Wartezeit mit dem Spielen auf seinem Handy vertrieb und ich immer aus den großen Glasfenstern schaute auf die Menschen, die nicht wie ich hier gefangen waren... Ich war froh, als ich wieder raus marschieren konnte.

Anschließend ging ich zum CT-Warteraum. Einige Zeit später kam ein Pfleger, der mich aufklärte. Er fragte mich, welches Therapieschema ich denn bekommen hätte. Er sagte, dass er das Beacopp esk.-Schema sehr gut nachvollziehen kann, sein Morbus Hodgkin sei nun 3 ½ Jahre her. Dann sagte er noch: „das Leben geht irgendwann wieder weiter.“ Irgendwie beruhigte mich das sehr, denn dieses Gefühl war leider noch immer nicht bei mir angekommen. Nun musste ich nochmal warten, da noch ein Mann vor mir dran war. Dann war es so weit, ich war an der Reihe. Nachdem ich meinen Oberkörper frei gemacht und mich hingelegt hatte, wurde das Kontrastmittel schon mal an meine Flexüle angeschlossen. Dann sollte ich die Augen schließen und wurde unter den CT-Ring gefahren. Einmal abscannen, tief einatmen, abscannen, Kontrastmittel-Injektion, abscannen, tief einatmen, abscannen und das war es auch schon. Nun sollte ich noch zehn Minuten warten, dann sollte mir die Flexüle gezogen werden.

Nachdem das Pflichtprogramm absolviert war, ging ich mit meinen treuen Begleiterschatzi noch in die Cafeteria. Dort traf ich noch auf einen sehr netten Arzt, der mich unter anderem auch in der Zeit mitbehandelt hatte und vor allen Dingen mit viel Geduld so einige meiner Fragen und Ängste beantwortet hatte. Danach ging es endlich heim – das reichte an Krankenhaus für den Tag. Knapp eine Woche später sollte dann der zweite Teil der ersten Nachsorge anstehen.

Eine Woche später war ich also noch einmal vor Ort. Heute sollte ein Ultraschall erfolgen, anschließend die Auswertung von meinem CT und meiner Blutuntersuchung. Die Schwester an der Anmeldung nahm mir gleich den Wind aus den Segeln – der Ultraschall wird heute eh nicht gemacht, der Arzt sei immer noch krank. Da es anscheinend nur einen Arzt in diesem Krankenhaus gab, der diesen Ultraschall hätte durchführen können, sollte ich mir dann später einen neuen Termin geben lassen. Schön, dass ich nun in ein paar Tagen vier Wochen erst mal zur Kur bin... Weiterhin informierte sie mich, dass auch mein Arzt nicht da sei. Es sei auch nur ein Arzt da, deshalb würde es wohl eine Weile dauern. So wartete ich eine ganze Weile, bis der Arzt mich aufrief. Zum Glück war mein netter Arzt da. Er fragte, wie es mir geht und checkte mich kurz durch. Er sagte, dass mein CT gut aussieht, das vernarbte Gewebe sei sogar noch etwas geschrumpft. Er wollte sich noch meine Blutwerte anschauen, stellte aber fest, dass diese nicht da waren... Ich gab ihm zur Durchsicht meine älteren Werte, die ich Anfang Februar ambulant hatte machen lassen. Diese sahen soweit gut aus. Lediglich die Leukozyten waren noch immer sehr niedrig und auch die Imunstatuswerte waren noch nicht so gut. Aber bis diese sich erholen, dauert es wohl auch noch etwas. Im Anschluss ließ ich mir einen neuen Ultraschalltermin geben sowie schon einen nächsten Nachsorgetermin für den Mai. Da würde dann allerdings nur noch eine Blutuntersuchung stattfinden. Wieder verließ ich mit einem doch recht neutralen Gefühl die Klinik. Natürlich freute ich, dass der Krebs tatsächlich weg war, aber da mein Leben mir noch immer so chaotisch und „unormal“ erschien, war für mich das Gefühl endlich wirklich frei zu sein nicht so wirklich vorhanden.

Mittwoch, 9. März 2016

Ab auf die Sonnenbank?

Ich hatte euch ja schon erzählt, dass ich in die HD-17 Studie eingeschlossen wurde. Dabei geht es ja darum, ob man eventuell die Bestrahlung nach der Chemotherapie weglassen könnte, um so Langzeitschäden vermeiden zu können. Auch wenn einer der Ärzte mir damals sagte, dass ich bestrahlt werden würde, war ich noch gar nicht in einen Studienarm eingeteilt worden, da dies immer nur nach Abschluss der Therapien erfolgt.

Und so rief ich eine Woche nach meinem Abschlussgespräch in der Studienzentrale an. Die Dame hatte immer noch nichts vorliegen und wollte sich telefonisch noch einmal erkundigen, ob es schon ein Ergebnis gibt. Bereits kurze Zeit später rief sie mich zurück. Sie hätte ein Fax bekommen – ich bin nicht im Arm der Bestrahlung. Ich war total überrascht. Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich hatte mich innerlich schon wirklich darauf eingestellt. Also sollte es das nun gewesen sein? Fertig? Nichts kommt mehr? Ich habe alle Therapien abgeschlossen? Das konnte ich gedanklich überhaupt noch nicht annehmen. Wieder machte ich auf die Menschen um mich herum den Eindruck, als würde ich mich nicht freuen – was aber nun wirklich nicht stimmte. Es war für mich nur einfach noch nicht greifbar.