Nun
war es so weit – die erste Nachsorge stand nach drei Monaten an.
Laut des Nachsorgeplans ist die erste Nachsorge direkt nach der
Therapie, aber ich finde, es ist eher eine Kontrolle, ob es wirklich
weg ist. Dann kann nachkontrolliert werden. Eigentlich sagte man mir
auch mal, dass es eher eine Abschlussuntersuchung ist.
Erstaunlicher
Weise hatte ich die Nacht davor gut geschlafen. Ein komisches Gefühl
hatte ich vor dem Termin dennoch – musste ich doch genau auf die
selbe Ct-Liege, auf der noch vor gut sechs Monaten die Biopsien
entnommen wurden, die mein Schicksal besiegeln sollten. Ja, ein klein
wenig Angst schlich sich durchaus ein, aber dennoch dachte ich sehr
positiv. Das mich mein ehemaliger Untermieter noch mal unangemeldet
überfallen würde und dann auch nach der kurzen Zeit, hielt ich so
ziemlich für unmöglich.
Im
Krankenhaus angekommen, wurde mir erst mal ein Zugang gelegt und Blut
abgenommen. Dies geschah im überfüllten Chemoraum. Einige meiner
Venen waren durch die Chemotherapien dahin gerafft worden. Umso
überraschter war ich, dass sich meine eine, einst super Vene, nach
Monaten endlich wieder an die Oberfläche gewagt hatte. Es war
komisch wieder da zu sein und die Menschen zu sehen, die mitten in
ihrer Therapie waren. Ich dachte automatisch an die Zeit, in der ich
selbst hier saß. Ich dachte daran, wie ich immer etwas leckeres zu
essen im Beutel hatte, vollgepackt mit Muttis Frauenzeitschriften,
wie ich immer gedanklich die Liste abhakte wenn eines der vielen
Medikationen durch war, wie Schatzi sich die Wartezeit mit dem
Spielen auf seinem Handy vertrieb und ich immer aus den großen
Glasfenstern schaute auf die Menschen, die nicht wie ich hier
gefangen waren... Ich war froh, als ich wieder raus marschieren
konnte.
Anschließend
ging ich zum CT-Warteraum. Einige Zeit später kam ein Pfleger, der
mich aufklärte. Er fragte mich, welches Therapieschema ich denn
bekommen hätte. Er sagte, dass er das Beacopp esk.-Schema sehr gut
nachvollziehen kann, sein Morbus Hodgkin sei nun 3 ½ Jahre her. Dann
sagte er noch: „das Leben geht irgendwann wieder weiter.“
Irgendwie beruhigte mich das sehr, denn dieses Gefühl war leider
noch immer nicht bei mir angekommen. Nun musste ich nochmal warten,
da noch ein Mann vor mir dran war. Dann war es so weit, ich war an
der Reihe. Nachdem ich meinen Oberkörper frei gemacht und mich
hingelegt hatte, wurde das Kontrastmittel schon mal an meine Flexüle
angeschlossen. Dann sollte ich die Augen schließen und wurde unter
den CT-Ring gefahren. Einmal abscannen, tief einatmen, abscannen,
Kontrastmittel-Injektion, abscannen, tief einatmen, abscannen und das
war es auch schon. Nun sollte ich noch zehn Minuten warten, dann
sollte mir die Flexüle gezogen werden.
Nachdem
das Pflichtprogramm absolviert war, ging ich mit meinen treuen
Begleiterschatzi noch in die Cafeteria. Dort traf ich noch auf einen
sehr netten Arzt, der mich unter anderem auch in der Zeit
mitbehandelt hatte und vor allen Dingen mit viel Geduld so einige
meiner Fragen und Ängste beantwortet hatte. Danach ging es endlich
heim – das reichte an Krankenhaus für den Tag. Knapp eine Woche
später sollte dann der zweite Teil der ersten Nachsorge anstehen.
Eine
Woche später war ich also noch einmal vor Ort. Heute sollte ein
Ultraschall erfolgen, anschließend die Auswertung von meinem CT und
meiner Blutuntersuchung. Die Schwester an der Anmeldung nahm mir
gleich den Wind aus den Segeln – der Ultraschall wird heute eh
nicht gemacht, der Arzt sei immer noch krank. Da es anscheinend nur
einen Arzt in diesem Krankenhaus gab, der diesen Ultraschall hätte
durchführen können, sollte ich mir dann später einen neuen Termin
geben lassen. Schön, dass ich nun in ein paar Tagen vier Wochen erst
mal zur Kur bin... Weiterhin informierte sie mich, dass auch mein
Arzt nicht da sei. Es sei auch nur ein Arzt da, deshalb würde es
wohl eine Weile dauern. So wartete ich eine ganze Weile, bis der Arzt
mich aufrief. Zum Glück war mein netter Arzt da. Er fragte, wie es
mir geht und checkte mich kurz durch. Er sagte, dass mein CT gut
aussieht, das vernarbte Gewebe sei sogar noch etwas geschrumpft. Er
wollte sich noch meine Blutwerte anschauen, stellte aber fest, dass
diese nicht da waren... Ich gab ihm zur Durchsicht meine älteren
Werte, die ich Anfang Februar ambulant hatte machen lassen. Diese
sahen soweit gut aus. Lediglich die Leukozyten waren noch immer sehr
niedrig und auch die Imunstatuswerte waren noch nicht so gut. Aber
bis diese sich erholen, dauert es wohl auch noch etwas. Im Anschluss
ließ ich mir einen neuen Ultraschalltermin geben sowie schon einen
nächsten Nachsorgetermin für den Mai. Da würde dann allerdings nur
noch eine Blutuntersuchung stattfinden. Wieder verließ ich mit einem
doch recht neutralen Gefühl die Klinik. Natürlich freute ich, dass
der Krebs tatsächlich weg war, aber da mein Leben mir noch immer so
chaotisch und „unormal“ erschien, war für mich das Gefühl
endlich wirklich frei zu sein nicht so wirklich vorhanden.
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