Donnerstag, 10. März 2016

Die erste (?) Nachsorge

Nun war es so weit – die erste Nachsorge stand nach drei Monaten an. Laut des Nachsorgeplans ist die erste Nachsorge direkt nach der Therapie, aber ich finde, es ist eher eine Kontrolle, ob es wirklich weg ist. Dann kann nachkontrolliert werden. Eigentlich sagte man mir auch mal, dass es eher eine Abschlussuntersuchung ist.

Erstaunlicher Weise hatte ich die Nacht davor gut geschlafen. Ein komisches Gefühl hatte ich vor dem Termin dennoch – musste ich doch genau auf die selbe Ct-Liege, auf der noch vor gut sechs Monaten die Biopsien entnommen wurden, die mein Schicksal besiegeln sollten. Ja, ein klein wenig Angst schlich sich durchaus ein, aber dennoch dachte ich sehr positiv. Das mich mein ehemaliger Untermieter noch mal unangemeldet überfallen würde und dann auch nach der kurzen Zeit, hielt ich so ziemlich für unmöglich.

Im Krankenhaus angekommen, wurde mir erst mal ein Zugang gelegt und Blut abgenommen. Dies geschah im überfüllten Chemoraum. Einige meiner Venen waren durch die Chemotherapien dahin gerafft worden. Umso überraschter war ich, dass sich meine eine, einst super Vene, nach Monaten endlich wieder an die Oberfläche gewagt hatte. Es war komisch wieder da zu sein und die Menschen zu sehen, die mitten in ihrer Therapie waren. Ich dachte automatisch an die Zeit, in der ich selbst hier saß. Ich dachte daran, wie ich immer etwas leckeres zu essen im Beutel hatte, vollgepackt mit Muttis Frauenzeitschriften, wie ich immer gedanklich die Liste abhakte wenn eines der vielen Medikationen durch war, wie Schatzi sich die Wartezeit mit dem Spielen auf seinem Handy vertrieb und ich immer aus den großen Glasfenstern schaute auf die Menschen, die nicht wie ich hier gefangen waren... Ich war froh, als ich wieder raus marschieren konnte.

Anschließend ging ich zum CT-Warteraum. Einige Zeit später kam ein Pfleger, der mich aufklärte. Er fragte mich, welches Therapieschema ich denn bekommen hätte. Er sagte, dass er das Beacopp esk.-Schema sehr gut nachvollziehen kann, sein Morbus Hodgkin sei nun 3 ½ Jahre her. Dann sagte er noch: „das Leben geht irgendwann wieder weiter.“ Irgendwie beruhigte mich das sehr, denn dieses Gefühl war leider noch immer nicht bei mir angekommen. Nun musste ich nochmal warten, da noch ein Mann vor mir dran war. Dann war es so weit, ich war an der Reihe. Nachdem ich meinen Oberkörper frei gemacht und mich hingelegt hatte, wurde das Kontrastmittel schon mal an meine Flexüle angeschlossen. Dann sollte ich die Augen schließen und wurde unter den CT-Ring gefahren. Einmal abscannen, tief einatmen, abscannen, Kontrastmittel-Injektion, abscannen, tief einatmen, abscannen und das war es auch schon. Nun sollte ich noch zehn Minuten warten, dann sollte mir die Flexüle gezogen werden.

Nachdem das Pflichtprogramm absolviert war, ging ich mit meinen treuen Begleiterschatzi noch in die Cafeteria. Dort traf ich noch auf einen sehr netten Arzt, der mich unter anderem auch in der Zeit mitbehandelt hatte und vor allen Dingen mit viel Geduld so einige meiner Fragen und Ängste beantwortet hatte. Danach ging es endlich heim – das reichte an Krankenhaus für den Tag. Knapp eine Woche später sollte dann der zweite Teil der ersten Nachsorge anstehen.

Eine Woche später war ich also noch einmal vor Ort. Heute sollte ein Ultraschall erfolgen, anschließend die Auswertung von meinem CT und meiner Blutuntersuchung. Die Schwester an der Anmeldung nahm mir gleich den Wind aus den Segeln – der Ultraschall wird heute eh nicht gemacht, der Arzt sei immer noch krank. Da es anscheinend nur einen Arzt in diesem Krankenhaus gab, der diesen Ultraschall hätte durchführen können, sollte ich mir dann später einen neuen Termin geben lassen. Schön, dass ich nun in ein paar Tagen vier Wochen erst mal zur Kur bin... Weiterhin informierte sie mich, dass auch mein Arzt nicht da sei. Es sei auch nur ein Arzt da, deshalb würde es wohl eine Weile dauern. So wartete ich eine ganze Weile, bis der Arzt mich aufrief. Zum Glück war mein netter Arzt da. Er fragte, wie es mir geht und checkte mich kurz durch. Er sagte, dass mein CT gut aussieht, das vernarbte Gewebe sei sogar noch etwas geschrumpft. Er wollte sich noch meine Blutwerte anschauen, stellte aber fest, dass diese nicht da waren... Ich gab ihm zur Durchsicht meine älteren Werte, die ich Anfang Februar ambulant hatte machen lassen. Diese sahen soweit gut aus. Lediglich die Leukozyten waren noch immer sehr niedrig und auch die Imunstatuswerte waren noch nicht so gut. Aber bis diese sich erholen, dauert es wohl auch noch etwas. Im Anschluss ließ ich mir einen neuen Ultraschalltermin geben sowie schon einen nächsten Nachsorgetermin für den Mai. Da würde dann allerdings nur noch eine Blutuntersuchung stattfinden. Wieder verließ ich mit einem doch recht neutralen Gefühl die Klinik. Natürlich freute ich, dass der Krebs tatsächlich weg war, aber da mein Leben mir noch immer so chaotisch und „unormal“ erschien, war für mich das Gefühl endlich wirklich frei zu sein nicht so wirklich vorhanden.

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